Geschrieben am 25.04.2025 2025-04-25| Aktualisiert am
25.04.2025
Besucht am 15.08.2024Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 155 EUR
Seit über 30 Jahren zieht es mich regelmäßig in den heimischen Pfälzerwald. In dieser bergigen Waldlandschaft kann ich beim Wandern oder Klettern komplett abschalten und die Seele baumeln lassen. Gerade in stressigen Zeiten hat die Ruhe dieses riesigen Waldgebiets eine ausgleichende, sehr erholsame Wirkung.
Einen ganz besonderen Reiz übt dabei seit jeher die Gegend südlich des unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegenen Örtchens Notweiler auf mich aus. Von hier aus lassen sich auf einer empfehlenswerten Rundwanderung gleich vier imposante Burgruinen erwandern. Drei davon liegen auf elsässischem Terrain, also in den Nordvogesen.
Tolle Ausblicke, wie z.B. von der hoch über Nothweiler thronenden Ruine Wegelnburg aus, sind garantiert und auch der Felsenweg hinunter zur mittlerweile leider touristisch überstrapazierten Felsenburg „Chateau Fleckenstein“ bietet mit seinen bizarren Sandsteinformationen landschaftliche Highlights. Auch schön, dass man sich nach einem Großteil der Strecke im beliebten Ausflugslokal „Gimbelhof“ stärken kann.
Mitte August machte ich zusammen mit einem befreundeten Arbeitskollegen die rund 9 Kilometer lange Burgentour an der Grenze zwischen der Pfalz und dem Elsass. Für meinen Kollegen war es das erste Mal, dass er hier unterwegs war. Dementsprechend beeindruckt zeigte er sich von dieser abwechslungsreichen Wanderung.
Nach einem ausgedehnten „Boxenstopp“ im „Gimbelhof“ wartete am Abend ein reservierter Tisch auf der Veranda des Restaurants MarCook oben auf dem Söller auf uns. Diese auf ca. 300 m Höhe zwischen den Ortschaften Rumbach und Bundenthal gelegene Freifläche beheimatet ein gleichnamiges Fluggelände mit Betriebszulassung für Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Segelflugzeuge.
Dieses kulinarische Juwel ist nicht ganz leicht zu finden, aber von Nothweiler aus tatsächlich am besten zu erreichen. Mitten in der Natur also befindet sich das komplett mit dunklem Holz verkleidete, ehemalige Clubhaus des Flugsportvereins Bundenthal-Rumbach e.V., in dem sich das Ehepaar Burkhart 2015 den Traum vom eigenen Restaurant erfüllte.
Wer es bis hierhin „geschafft“ hat, denn erwartet schon beim Zuschlagen der Wagentür das eigentliche Geheimnis dieses idyllischen Fleckens: Entschleunigung! Doch um diesen paradiesischen Zustand auf dem Söller wissen scheinbar nicht nur Einheimische, was eine Reservierung obligatorisch macht. Auch an diesem Abend waren die wenigen Tische auf der Burkhart’schen Veranda schnell komplett besetzt. Es herrschte dennoch eine angenehm lauschige Atmosphäre, in die wir gerne eintauchten.
Wir wurden von der gut gelaunten Hausherrin, Frau Burkhart, freundlich begrüßt und an einem wohlbeschirmten Terrassentisch platziert. Später kam auch noch ihr Mann bei uns vorbei und wir plauderten ein wenig mit ihm. Sympathische Wirtsleute, diese Burkharts. Echte Überzeugungstäter, die ihre „Berufung“ mit viel Freude, Herzblut und Liebe zum Detail ausüben.
Beim Gang zu den Nassräumen durchquerte ich den von Flugzeugmodellen und Fliegerfotos dekorierten Gastraum, der mit einem alten Kachelofen und jeder Menge Naturholz (Mobiliar, Decke, Balken, etc.) auf sich aufmerksam machte. Drinnen
Alles wirkte sauber und gepflegt. Der ehemaligen Nutzung des Gebäudes als Vereinsheim für Sportflieger trug man auf angemessene Art und Weise Rechnung.
Bereits bei unserer Ankunft wurden wir auf die an der Fassade hängende Schiefertafel mit den Empfehlungen aufmerksam. Draußen
Von gegrilltem Oktopus, frischem Schwertfisch, Lachs auf Buchenholz, Meeresfrüchtesalat und Thunfischtatar mit Avocado war da die Rede. Mein bis dahin ahnungsloser Kollege, der hier oben auf dem Söller eine zünftige Pfälzerwaldhütte vermutet hatte, rieb sich verdutzt die Augen. Solch eine maritim-mediterrane Auswahl hätte er hier nie und nimmer erwartet.
Man reichte uns die Karten mit dem kleinen, fein zusammengestellten Standardprogramm. Ein halbes Dutzend Vorspeisen (griechischer Salat, gratinierter Ziegen- bzw. Schafskäse, Antipastiteller und Thunfischtatar) sowie viermal Fleisch und viermal Fisch waren darin als Hauptgerichte vermerkt. Die Entscheidung fiel uns schwer, klang doch ein Gericht verlockender als das andere.
Frau Burkhart ließ uns genug Zeit zum Überlegen und kümmerte sich zuerst um unseren Durst, den wir mit einem Hefeweizen (0,5l für 6,20 Euro) und einer kleinen Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,5l für 4,50 Euro) zu stillen gedachten.
Eine gut gekühlte Flasche vom 2023er Weißburgunder „Calcit“ (32,80 Euro) des Birkweiler Top-Weinguts Gies-Düppel sollte dem BBQ-Abend auf der Sommerterrasse mehr als gerecht werden. Gute Kollegen trinken schließlich auch gerne mal einen guten Tropfen zusammen. Die Chefin steckte ihn in eine Kühlmanschette, die eine perfekte Trinktemperatur garantierte. Gut gekühlter Terrassenwein aus der Pfalz
Kurzzeitig spielten wir mit dem Sharing-Gedanken, denn das für zwei Personen ausgerichtete Karree vom Weidelamm und die ebenfalls für zwei hungrige Wanderer konzipierte Iberico Platte mit gegrilltem Filet, Kotelett und Salsiccia versprachen exquisiten Fleischgenuss.
Schließlich gingen wir dann aber doch getrennte Wege, da mich die Erinnerung an den überragenden Meeresfrüchtesalat (24,50 Euro) und das nicht minder geniale Thunfischsteak vom Holzkohlegrill (44 Euro) vom ersten Besuch einholte und mich buchstäblich zur kulinarischen Wiederholungstat zwang. Mein Kollege wagte sich derweil an das 350 Gramm schwere Ribeye-Steak (43,50 Euro), das einen gegrillten Gemüsespieß, Rosmarinkartoffeln und hausgemachten Kräuterbutter zu seinen Begleitern zählte.
Denn auch in Sachen Fleischgenuss kann man dem gelernten Fensterbauer, Küchenchef und Grillmeister Markus Burkhart blind vertrauen. Hier ist wahrlich kein BBQ-Amateur, sondern ein waschechter „Rosteopath“ der guten alten Holzkohle am Werk. Ein mit dem Verständnis für die richtige Hitze gesegneter Brutzelprofi, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass er gutes Essen zu schätzen weiß und dem man die Zubereitung eines solchen sofort zutraut.
Jener freundliche Fleisch- und Fischgenosse fragte mich, ob er mir als kleines Add-On das Thunfischsteak mit Rindercarpaccio unterfüttern dürfe, was „selbstverständlich aufs Haus gehe“. Tja, was sollte ich sagen? Wer surft, der turft auch gerne. Und so nahm ich dieses großzügige Angebot dankend an.
Dann harrten wir in freundschaftlich-kollegialer Verbundenheit bei sehr gutem Wein und noch besseren Tischgesprächen der Leckereien, die nach angenehmer Wartezeit folgen sollten. Den Auftakt machte mein Meeresfrüchtesalat, der mit einer respektablen Menge frischer, qualitativ hochwertiger Weich- und Krustentiere für Aufsehen sorgte. Meeresfrüchtesalat zum Niederknien!
Perfekt im Biss und puristisch in der Anrichtung war das ein maritimer Leckerbissen auf ganz hohem Niveau. Hervorragend – mal wieder – der Pulpo, dessen zarte, aber dennoch festfleischig-elastische Konsistenz die Grillkompetenz von Meister Burkhart eindrucksvoll unterstrich. Pulpo in Bestform!
Aber auch die Sepiastücke und die Black Tiger Garnelen zeugten von hervorragender Qualität und fachmännischer Garung.
Zusammen mit der leichten Zitronenfrische, der aromatischen Pfütze Olivenöl, dem jodig-würzigen Algensalat und dem knackigen Blattbouquet ergab das einen perfekt marinierten, von angenehmer Säure geprägten Meeresteller der allerbesten Sorte. Auch mein Kollege, den ich selbstverständlich davon kosten ließ, zeigte sich von der Qualität dieses kulinarischen Kurzurlaubs ans Mittelmeer begeistert. Der alte Hafen von Marseille lag kurzzeitig auf einer Hochebene inmitten des Pfälzerwaldes. Das gibt’s doch nicht, das kann nicht sein! Aber wenn ich es doch sag…
Nach einer Weile durften wir beide endlich zu Messer und Gabel greifen. Dass es im MarCook manchmal etwas dauern kann, bringt ein ausgelasteter „Zwei-Mann“-Betrieb eben mit sich. Wir hatten zwar keine Eile, aber nach dem Wandern ordentlich Hunger und so war die Freude groß, als sich unsere Hauptspeisen im Anflug befanden.
Das stattliche Ribeye-Steak des Kollegen kam mit betörendem Grilldunst im Gefolge und teilte sich mit einem leicht „gebrandmarkten“ Gemüsespieß den Teller. Die lediglich mit etwas Meersalz verfeinerten, knusprig gegrillten Rosmarinkartoffeln wurden in einer kleinen Tonschale geliefert. Rosmarinkartoffeln vom Grill
Auch unsere beiden, mit schmackhaftem Essig-Öl-Dressing angemachten Beilagensalate waren auf Extratellern angerichtet. Frisches Beilagengrün mit köstlichem Essig-Öl-Dressing
Während sich mein Gegenüber seinen ultrasaftigen, exakt im gewünschten Gargrad vom Grill geholten Fleischquader aber sowas von gut schmecken ließ, Stattliches Ribeye mit Gemüsespieß direkt vom Holzkohlegrill
widmete ich mich dem nur kurz angegrillten (nicht mal „mi-cuit“…) und deshalb im Inneren noch rohen Center Cut vom Yellow Fin Tuna. Unter seiner schwarzen Sesamhülle lauerte saftig-rotes Rohfischvergnügen in geradezu bestechender Sashimi-Qualität. Das Thunfischsteak im Sesammantel auf Rindercarpaccio
Auch der darunter ausgebreitete Carpaccio-Teppich bereitete dem Gaumen große Freude. Er stellte sich hauchzart in den Dienst des Prachtfischs, indem er förmlich auf der Zunge zerging und das feine, leicht jodige Aroma des Protagonisten um ein paar herzhafte Nuancen erweiterte.
Den Rest erledigten die vom Holzkohlegrill erzeugten Röstaromen, die in Zusammenspiel mit dem nussigen Sesam und etwas Salz und Pfeffer (in genau der richtigen Dosierung) für ein vollmundiges Mundgefühl sorgten. Da war der Gaumenorgasmus quasi vorprogrammiert. Noch Fragen?....
Oder weniger affektiv formuliert: ganz großes Meereskino, das den nicht gerade niedrigen Preis locker rechtfertigte. Die Kombination aus feinster Flossenware und kompetentem Grillhandwerk ging voll auf, was zu einem der besten Fischteller, die ich vergangenen Jahr genießen durfte, führte.
Ähnlich euphorisch klang auch mein Partner in Dine, der sein fein marmoriertes Entrecôte in vollen Zügen genoss. Dem Entrecôteur war es nicht zu schwör...
Vielleicht wäre dazu ein leicht gekühlter Portugieser Rotwein „S“ vom Stiftsweingut Meyer aus Gleiszellen die bessere Begleitung gewesen. Aber auch der Weißburgunder aus Birkweiler konnte als respektabler Sommerwein zum BBQ überzeugen.
Die tiefstehende Abendsonne ließ die Veranda des MarCook erstrahlen. Auf dieser Terrasse möcht' ich rasten, wie die Sau am Futterkasten!
Die Sitzfleisch beweisende Stammklientel hielt noch aus, während wir uns um rund 160 Euro erleichtert – nur Barzahlung ist hier oben möglich (!) – auf den Heimweg in flachere Gefilde (= Rheinebene) machten. Mein rechtsrheinischer Kollege musste schließlich noch ins geliebte „Badnerland“ zurück…
Wir waren uns beide einig, dass es wohl kaum einen besseren Ort für ein genussvolles Barbecue nach dem Wandern hätte geben können. Wer einmal in dieser schönen Gegend weilt und einfach für ein paar Stunden den „Stecker“ ziehen möchte, ist bei den Burkharts auf dem Söller jedenfalls sehr gut aufgehoben.
Man wird freundlich und zuvorkommend bedient und die Qualität der von Meisterhand gegrillten Fisch- und Fleischpreziosen ist nach wie vor phänomenal. Dass es mit dem Essen manchmal etwas länger dauern kann, werte ich wohlwollend als Teil des Entschleunigungskonzepts. Schade nur, dass diese „Praxis“ für fachmännisch angewandte „Rosteopathie“ etwas weit weg „vom Schuss“ liegt. Oder wie die einheimischen Stammgäste sagen würden: Gott sei Dank…
Seit über 30 Jahren zieht es mich regelmäßig in den heimischen Pfälzerwald. In dieser bergigen Waldlandschaft kann ich beim Wandern oder Klettern komplett abschalten und die Seele baumeln lassen. Gerade in stressigen Zeiten hat die Ruhe dieses riesigen Waldgebiets eine ausgleichende, sehr erholsame Wirkung.
Einen ganz besonderen Reiz übt dabei seit jeher die Gegend südlich des unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegenen Örtchens Notweiler auf mich aus. Von hier aus lassen sich auf einer empfehlenswerten Rundwanderung gleich vier imposante Burgruinen... mehr lesen
MarCook - Das Restaurant am Söller
MarCook - Das Restaurant am Söller€-€€€Restaurant06394 9215757Flugplatz 1, 76891 Bundenthal
4.5 stars -
"Entschleunigende „Rosteopathie“ in der Bundenthaler BBQ-Bastion oben am Söller" GourmägglerSeit über 30 Jahren zieht es mich regelmäßig in den heimischen Pfälzerwald. In dieser bergigen Waldlandschaft kann ich beim Wandern oder Klettern komplett abschalten und die Seele baumeln lassen. Gerade in stressigen Zeiten hat die Ruhe dieses riesigen Waldgebiets eine ausgleichende, sehr erholsame Wirkung.
Einen ganz besonderen Reiz übt dabei seit jeher die Gegend südlich des unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegenen Örtchens Notweiler auf mich aus. Von hier aus lassen sich auf einer empfehlenswerten Rundwanderung gleich vier imposante Burgruinen
Besucht am 06.08.2024Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 103 EUR
Was für den Saarlöwen der „Landgenuss“ von Cliff Hämmerle und den GG-Kollegen aus Bergisch Gladbach die Rademacher’sche Cuisine in Köln bedeutet, ist für uns das Landrestaurant „Hardtwald“ der Familie Gehrlein.
Wenn ich meiner Frau eine kulinarische Freude bereiten möchte, dann reserviere ich dort einen Tisch und fahre mit ihr in das an einem ehemaligen Rheinmäander gelegene, keine 2000 Einwohner zählende Örtchen Neupotz in der Südpfalz.
Die beiden anderen Gaumenoptionen – der alteingesessene „Karpfen“ und Manfred Kregers „Lamm“ – liegen im Ortskern, während sich Martin Gehrleins Restaurants etwas außerhalb im namensgebenden Ortsteil Hardtwald befindet.
In den auf diesem Portal bisher veröffentlichten, fast schon enzyklopädische Ausmaße annehmenden Reportagen hat sich ein „ehemaliger User“ derart detailliert mit der Historie und dem Ambiente dieses beliebten familiengeführten Landgasthofes beschäftigt, dass ich auf ausführliche Beschreibungen des dort herrschenden „Drumherums“ gerne verzichte.
Es sei lediglich angemerkt, dass seine „Alte Mühle“ – Gehrleins Zweitlokal vor den Toren des Nachbarortes Rheinzabern – aufgrund der prekären Personalsituation den „echten“ Restaurantbetrieb noch nicht wieder aufgenommen hat und sich daran auch in absehbarer Zeit nichts ändern wird.
Jedoch besteht in dem vor ca. zweieinhalb Jahren dort eingezogenen, ebenfalls seinen Namen tragenden „Landhauskaffee“ wenigstens die Möglichkeit auf ein leckeres Frühstück oder ein gutes Stück Kuchen.
Meine Schwester passte an jenem warmen Dienstagabend Anfang August auf unser Töchterchen auf. Somit stand einem entspannten Abendessen für Zwei auf der hübsch angelegten Terrasse des nach wie vor mit einem Bib Gourmand ausgezeichneten Pfälzer Vorzeigelokals nichts mehr im Wege. Um 18 Uhr erwartete uns ein reservierter Tisch unter freiem Himmel.
Frau Gehrlein und eine weitere Dame zeichneten sich für den Service verantwortlich. Nach einer herzlichen, von echter Wiedersehensfreude zeugenden Begrüßung durch die Chefin durften wir draußen auf der Veranda Platz nehmen und die Abendsonne genießen.
Bereits das Vorspeisenprogramm ließ mit einer ganzen Reihe ambitioniert klingender Gerichte aufhorchen. Beim gerösteten Romanasalat mit Coppa di Parma und Tomate an Sauerrahmvinaigrette (12 Euro) wurde schließlich meine Liebste schwach. Mich reizte dagegen die mit altem Gouda veredelte Rote Bete Sülze an Kräuteröl und gewürztem Kefir (12 Euro). Das klang nach einem genauso spannenden wie sommerlichen Auftakt.
Beim Hauptgang blieb meine Frau ihrer vegetarischen Linie treu und bestellte die geschmorte BBQ-Aubergine mit Grillgemüse, Ziegenfrischkäse und Rosmarin-Kartoffeln (22 Euro), während ich meiner Lust auf Fisch mit dem auf der Haut gebratenen Zander aus dem Ijsselmeer an Schnippelbohnen und Pfifferlingen (32 Euro) nachgab. Auf die dazu servierten, hausgemachten Gnocchi freute ich mich besonders.
Eine Flasche Mineralwasser der Marke „Teinacher“ (0,5l für 4,90 Euro) und ein trockener Weißburgunder aus der Pfalz (0,25l für 6,50 Euro) wurden flott geliefert. Eine weitere Flasche vom sprudelnden Nass aus Bad Teinach-Zavelstein (Schwarzwald) sollte sich später noch hinzugesellen. Angenehm durstbefreit harrten wir der Vorspeisen, die nach angemessener Wartezeit serviert wurden.
Hochwertiger Parmaschinken sorgte beim gerösteten Romanasalat für die nötige Würze. Knackige Radieschen, Karottenröllchen, frische Kapernäpfel und Cocktailtomaten in verschiedenen Farben waren mehr als nur frisches Beiwerk. Sie werteten das sommerliche Ensemble auch optisch gehörig auf. Gerösteter Romanasalat mit Coppa di Parma und Tomate an Sauerrahmvinaigrette
Zusammen mit der fein abgeschmeckten Sauerrahmvinaigrette ergab das einen 1a-Terrassenteller für den lauen Augustabend. Die leichten Röstaromen des Salats setzten sich mit dem Prosciutto di Parma ins beste Benehmen. Ein tolles Beispiel dafür, dass auch Rustikales manchmal so fein schmecken kann. Besonders wenn die Komponenten so stimmig ineinandergreifen wie das hier der Fall war. Meine Gattin war jedenfalls sehr begeistert.
Nun, ich bin wirklich kein ausgewiesener „Beetnik“ und bereits die Bestellung der roten Rübensülze hatte bei meiner Frau für Verwunderung gesorgt. Aber das, was Martin Gehrlein aus dem erdig-aromatischen Wintergemüse und seiner akkurat arrangierten Entourage gebastelt hatte, war nicht nur ein von hübschen Farbkontrasten geprägter Hingucker, sondern auch geschmacklich aller Ehren wert. Mit altem Gouda veredelte Rote-Bete-Sülze an Kräuteröl und gewürztem Kefir
Für den Zugriff am Gaumen zeichnete sich der fein geraspelte, alte Gouda verantwortlich. Dieser bildete zusammen mit Karottenröllchen, Gouda-Chips, eingelegten Maiskölbchen und gepickelter roter Bete einen kleinen, heiteren Kranz, dessen kreisringförmige Basis aus purpurroter Rübensülze bestand.
Ein (unter anderem) mit Kräuteröl gewürzter Kefir umspülte diese farblich und texturell sehr abwechslungsreiche Formation. Das von erdiger Würze, süffiger Frische und zurückhaltender Säure bestimmte Arrangement war wie geschaffen für einen warmen Sommerabend. Ein rundum gelungener Auftakt im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich war sehr gespannt auf meinen Fischteller, denn nicht nur in Neupotz und Umgebung weiß man, dass das „Zandern“ seit jeher der Gehrleins Lust ist. Und dieser stattliche Vertreter aus der Familie der Barsche landete sogar gänzlich unfrittiert und komplett ohne Panierung auf der zeitgemäßen Keramik. Auf der Haut gebratener Zander aus dem Ijsselmeer an Schnippelbohnen und Pfifferlingen
Eine ansehnliche Tranche des im holländischen Ijsselmeer geangelten Süßwasserfisches thronte mit röscher, beherzt gewürzter Haut auf einem kurz durch die Pfanne geschleusten Gefolge aus perfekt sautierten Pfifferlingen, geschnippelten Bohnen und Tomatenstücken. Eine aufgeschäumte Beurre-Blanc-Pfütze band das frische Saisongemüse süffig ein. Das war definitiv kein „Verlegenheits-Grün“, was da unter dem Schuppentier lauerte.
Einziger kleiner Malus dieses ansonsten tadellosen Tellers war die Tatsache, dass der Zander noch etwas saftiger hätte ausfallen dürfen. Aber das war Jammern auf hohem Niveau, das spätestens beim Verzehr der fluffigen Gnocchi wieder eingestellt wurde. Die in der Butterpfanne kurz angebrutzelten Kartoffelnocken stimmten mehr als versöhnlich. Schön, dass man hier nach wie vor auf die kleinen Beilagenfreuden Wert legt. Hausgemachte Gnocchi
Einfallsreich und lecker zu Porzellan gebracht, wirkte auch der vegetarische Grillteller, den sich meine Frau mit Genuss einverleibte. Diverse, mit ausreichend Röstaromen versehene Knackigkeiten aus dem saisonalen Gemüsegarten fanden im cremigen Ziegenfrischkäse ihren kongenialen Partner. Die mit BBQ-Sauce bestrichene Aubergine geriet dagegen butterweich. Ein vielseitiges Fest für Fleisch- und Fischverzichter. Geschmorte BBQ-Aubergine mit Grillgemüse, Ziegenfrischkäse und Rosmarin-Kartoffeln
Zum süßen Ausklang durfte es (mal wieder) das Schokosorbet mit selbstgemachtem Eierlikör auf nussiger Schoko-Erde (9 Euro) sein. Dieser zartschmelzenden Versuchung konnten und wollten wir nicht widerstehen. Zumal das intensiv nach Schokolade schmeckende Sorbet weder zu süß noch zu mächtig ausfiel und von vollreifen, roten Früchten (Brombeere, Erdbeere) stimmig begleitet wurde. Schokosorbet mit selbstgemachtem Eierlikör auf Schoko-Erde
Martin Gehrleins familiär geführtes Landrestaurant im Neupotzer Ortsteil Hardtwald bleibt unsere nahegelegene Lieblingsadresse für die kleinen kulinarischen Alltagsfluchten. Der sympathische Küchenchef setzt auch weiterhin auf die Qualitäten relativ einfacher Produkte und Zutaten, die er gerne auch aus der näheren Umgebung bezieht, aber zugleich weltoffen und einfallsreich auf die Teller bringt. Mögen ihm die guten Ideen auch in Zukunft nicht ausgehen.
Ich wünsche der Familie Gehrlein für die Zukunft alles Gute und vor allem weniger Personalsorgen. Verdient hat es dieses liebenswerte, sich vom gewöhnlichen Schnitzelmainstream abhebende Neupotzer Heimatjuwel allemal.
In Zeiten, in denen solche kulinarischen Kleinode mehr und mehr von der gastronomischen Landkarte verschwinden, sind Traditionslokale wie der „Hardtwald“ gar nicht hoch genug einzuschätzen. Dass man für das Gebotene die Preise auf Normalniveau anheben musste, versteht sich dabei von selbst. Sie sind jedoch keinesfalls überzogen.
Was für den Saarlöwen der „Landgenuss“ von Cliff Hämmerle und den GG-Kollegen aus Bergisch Gladbach die Rademacher’sche Cuisine in Köln bedeutet, ist für uns das Landrestaurant „Hardtwald“ der Familie Gehrlein.
Wenn ich meiner Frau eine kulinarische Freude bereiten möchte, dann reserviere ich dort einen Tisch und fahre mit ihr in das an einem ehemaligen Rheinmäander gelegene, keine 2000 Einwohner zählende Örtchen Neupotz in der Südpfalz.
Die beiden anderen Gaumenoptionen – der alteingesessene „Karpfen“ und Manfred Kregers „Lamm“ – liegen im... mehr lesen
4.5 stars -
"Das „Zandern“ ist des Gehrleins Lust" GourmägglerWas für den Saarlöwen der „Landgenuss“ von Cliff Hämmerle und den GG-Kollegen aus Bergisch Gladbach die Rademacher’sche Cuisine in Köln bedeutet, ist für uns das Landrestaurant „Hardtwald“ der Familie Gehrlein.
Wenn ich meiner Frau eine kulinarische Freude bereiten möchte, dann reserviere ich dort einen Tisch und fahre mit ihr in das an einem ehemaligen Rheinmäander gelegene, keine 2000 Einwohner zählende Örtchen Neupotz in der Südpfalz.
Die beiden anderen Gaumenoptionen – der alteingesessene „Karpfen“ und Manfred Kregers „Lamm“ – liegen im
Geschrieben am 01.04.2025 2025-04-01| Aktualisiert am
01.04.2025
Besucht am 04.08.2024Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 119 EUR
Auf dem Rückweg von unserem Sommerurlaub in Nordholland machten wir für eine Nacht Station in Mönchengladbach. Wir bezogen ein kleines, modern eingerichtetes Apartment in der Fliethstraße, einer südlich des Zentrums verlaufenden Hauptverkehrsader. Von hier aus war es nur ein kleiner Spaziergang in das von Domenico Sepe (und seinem Team) seit 1991 betriebene Ristorante „Michelangelo“. Gladbacher Italo-Institution von außen betrachtet
Mit einem kurzen Anruf hatte ich uns zuvor einen Tisch gesichert. Die auf der Homepage abrufbare Speisenkarte las sich äußerst appetitanregend. Eine feine, mit Bedacht zusammengetragene Auswahl an italienischen Genüssen, die anscheinend auch von den Spielern und Funktionsträgern des Erstligavereins Borussia Mönchengladbach sehr geschätzt werden, listete das übersichtlich angelegte Speisenrepertoire.
Apropos Schwarz-Weiß-Grün, auf die Verbindung zum prestigeträchtigen Traditionsclub ist man im „Michelangelo“ ganz besonders stolz. Dass hier immer mal wieder amtierende oder ehemalige „Borussen“ auftauchen – auch Berti Vogts scheint ab und zu mal vorbeizuschauen – und dem Inhaber gerne ihre signierten Trikots spendieren, lässt sich in gerahmter Form an den Wänden begutachten.
Ein von allen Spielern unterschriebenes Bild vom ausverkauften Borussia-Park als Erinnerung an das Championsleague-Spiel 2015 gegen Manchester City hing quasi direkt neben meinem Platz. Schwarz-Weiß-Grün verpflichtet!
Dass die Betreiber ihre neapolitanischen Wurzeln nicht leugnen, wurde von einer Flasche Falanghina Del Sannio mit auffälligem, SSC-Napoli-blauen Etikett, die als weißweingewordene Hommage an die Fußballlegende Diego Armando Maradona selbstverständlich aus Kampanien stammte (Weingut Caputo 1890), versinnbildlicht. Diego aus der Flasche
Die Preise für Speis und Trank lagen – dem guten Ruf des Lokals sowie der Frische und Qualität der verwendeten Produkte geschuldet – entsprechend höher, tendierten aber noch nicht ins völlig Unverschämte. Die Umgebung rund um das gepflegte, noch immer im schicken 90er-Jahre-Gewand steckende Restaurant ist nicht besonders ansehnlich. Da tat bereits der Eintritt in den geschmackvoll eingerichteten Gastraum richtig gut.
Drinnen grüßten großformatige Schwarz-Weiß-Fotos aus der italienischen Heimat von den Wänden. Auf gefliestem Untergrund passierten wir den vorderen (größeren) Gastraum, durch dessen Glasfront der Blick nach draußen fällt. Nach kurzer, nicht besonders freundlicher Begrüßung wurden wir weiter hinten im Korridor, der zur rückseitig gelegenen Außenterrasse führte, platziert. So saßen wir in unmittelbarer Nähe zum Ausschanktresen und bekamen auch das Gewusel der Servicekräfte aus nächster Nähe mit. Im Borussen-Korridor
Der Vorteil dieses im Durchgang befindlichen und dadurch recht geschäftigen Platzes war die gute Erreichbarkeit der stets präsenten Kellnerschaft rund um den dauergestressten Padrone, dessen Miene sich lediglich beim Anblick unserer „Bambina“ etwas erhellte. Domenico Sepe, der einen aufmerksamen, ständig unter Strom stehenden Wirt der alten italienischen Serviceschule verkörperte, wirkte an jenem Abend sichtlich genervt.
Von Rückfragen oder kleineren Abänderungen beim Bestellen sahen wir dann auch ab. Wir wollten dieses fragile Konstrukt aus quirliger Gastfreundschaft und geflissentlicher Ignoranz nicht über Gebühr strapazieren. Schließlich gehört solch latent herablassendes Serviergehabe bei italienischen Bediensteten, die etwas auf sich halten, zum „guten“ Ton. Einfach gekonnt, wie hier ein Gästewunsch über-, dort einer aus heiterem Himmel plötzlich erhört wurde. Wobei das jetzt schlimmer klingt, als es im Endeffekt war.
Da soll sich der in den Feinheiten südländischer Gepflogenheiten meist fremde Deutsche ruhig mal ein wenig in Zurückhaltung üben – auch (oder gerade?) im eigenen Land. Ungewohnt devot bestellte ich in der Folge eine Flasche Mineralwasser (Taunusquelle „medium“) für mondäne 7 Euro, eine kleine Apfelschorle (3 Euro) für das Töchterchen und ein süffiges Peroni-Bier aus der Flasche (0,33l für 3 Euro). Später sollte sich noch ein Glas Primitivo (0,2l für 7,50 Euro) aus dem offenen Weinausschank dazugesellen.
Dann galt es zwischen fünf Vorspeisen, sechs Pastagerichten, drei Fischtellern und drei Offerten von der Fleischtafel auszuwählen. Mein Hunger war beträchtlich, weshalb ich zwischen Vor- und Hauptspeise noch ein paar Nudeln als Zwischengang einschob. Generell sollte man hier zur Sättigung mindestens zwei Gänge einplanen. Der Grundsatz „Klein, aber fein“ gilt nämlich auch für die Vorspeisen- und Pastaportionen.
Vorweg durften es ruhig die gebratenen Garnelen auf dicken weißen Bohnen (16,50 Euro) sein. Danach wählte ich das „Signature Dish“ des Hauses, die zuvor im Parmesanlaib geschwenkten Tagliolini mit frischem, schwarzen Sommertrüffel (21,50 Euro), um schließlich mit der Tagesempfehlung, einer stattlichen Lammhaxe aus dem Ofen mit reichlich Jus und Kartoffelpüree (36,50 Euro) zu enden. Da hatte ich mir mal so richtig was vorgenommen.
Meine beiden Damen gaben sich dagegen mit deutlich weniger zufrieden. Bei der Gattin machten die Penne Arrabiata mit frischer Salsiccia (15 Euro) das Rennen, während dem Töchterchen „formell“ die gleiche Nudelgunst zu Teil wurde. Ihre Röhrchenpasta mit schräg abgeschnittenen Enden wurde jedoch (auf unseren Wunsch) lediglich mit einer Tomatensauce veredelt, was mit 10 Euro zu Buche schlug.
Mit ein paar Scheiben belanglosen Weißbrots und etwas Butter vertrieben wir uns den ersten Hunger. Lange musste ich aber gar nicht auf meine Garnelen warten. Drei aus ihrem Panzer befreite, sehr saftige Exemplare ordentlicher Sortierung hatten es sich auf einem süffig unterfütterten Bohnenbett bequem gemacht. Gebratene Garnelen auf dicken, weißen Bohnen
Die Köpfe hatte man dankenswerter Weise drangelassen. Das Auszuzeln ihres jodig-süßlichen Inneren war mir die reinste Freude. Ein kleines, aber äußerst schmackhaftes Fest für Krustentierfreunde, bei dem auch die Bohnen nicht zu dick auftrugen und sich fein abgeschmeckt in den Dienst der Meeresfrüchte stellten. Kann man so machen...und essen!
Unser Töchterchen bekam ihre Penne mit Tomatensugo etwas früher, was wir dem Service dankten. Meinen Tagliolini wurde auf einem extra herangebrachten Tischchen der letzte Parmesanschliff verliehen. Hier wird gerne öffentlich parmesaniert...
Mit einem entsprechenden Werkzeug wurden sie anschließend großzügig mit Trüffelscheibchen übernobelt. Das duftete bereits beim Anrichten unverschämt lecker. Frische Tuber-Ware vom Nobel-Hobel
Die irgendwo zwischen Tagliatelle und Capellini anzusiedelnden, dünnen Bandnudeln zierten in bester „Al-Dente-Manier“ die Tiefen meines Tellers. Knollenpilz und Parmesan katapultierten das einfache Nudelgericht in köstliche Höhen. Tagliolini aus dem Parmesanlaib mit schwarzem Trüffel
Ich genoss jeden „Gabelwickel“ dieser spitzenmäßig ins Porzellan gebrachten Wohlfühlpasta aus dem Hause „Überschmeck“. Selbst meine Frau musste die Qualität dieses Wonnetellers – wenn auch nicht ganz neidlos – anerkennen. Schmacko-Pasta
Ihre mit Salsiccia veredelten Penne Arrabiata kamen aber auch mit ganz viel „Schmackes“ in die etwas mickrig wirkende Porzellanmulde ihres breitrandigen Pastatellers. Gut, dass ihr Hunger an jenem Abend nicht allzu groß war, denn die Nudelportion war es definitiv nicht. Geschmacklich gab es dagegen nicht das Geringste auszusetzen. Penne arrabiata mit frischer Salsiccia
Der Tomatensugo spielte im genau richtigen Verhältnis aus Süße und Säure seine auf langes Einköcheln zurückzuführenden Trümpfe am Gaumen aus. Den Rest erledigte Captain Chili in feuriger Absicht. Einfach, aber so gut. Nur halt eben keine Hauptspeise, sondern eine übersichtlich arrangierte Primi Piatti.
Meine beiden Damen traten nach ihren Pastagerichten den geordneten Rückzug in Richtung Apartment an. Das Töchterchen war sehr müde und meine Frau von ihrer scharfen Miniatur-Pasta sichtlich bedient.
Zur bald servierten Lammhaxe ließ ich mir als entspannter Alleinesser einen durchaus brauchbaren Primitivo kommen. Mit Sauce und Schmorgemüse hatte man bei dem stattlichen Fleischgericht definitiv nicht gespart. Auch die Menge an fein gebuttertem Kartoffelpüree konnte sich durchaus sehen bzw. essen lassen. Geschmorte Lammhaxe (als Tagesempfehlung) aus dem Ofen auf Kartoffelpüree
Aber was war das? Das Lammfleisch hatte den Ofen zwar in wunderbar mürbem, aber leider auch deutlich zu kaltem Zustand verlassen. Auf meine Reklamation hin wurde jedoch schnell und professionell reagiert, so dass ich bald den Unterschenkel vom neuseeländischen Lamm in angenehmer Speisetemperatur genießen konnte. Wahrlich keine laxe Haxe!
Fond, Rotwein, Gemüse und Co. hatten zuvor den Schmorklassiker mit reichlich Geschmack ausgestattet und nebenbei zu einer zum Teller ablecken feinen, nach ehrlichem Handwerk schmeckenden Sauce geführt. Auch das Püree war über jegliche gustatorischen Zweifel erhaben und konnte besonders in Verbindung mit der dunklen Schmortunke glänzen. Dazu ein Schlückchen Primitivo und der Abend war gerettet.
Auf ein Dessert verzichtete ich dankend. Nach der mächtigen Haxe ging wirklich nichts mehr rein. Ich aber um 120 Euro erleichtert hinaus auf die Lüpertzender Straße, um mit einem „Absacker-Bierchen“ an der Ecke den Abend in Mönchengladbach wohlgehopft ausklingen zu lassen.
Das „Michelangelo“ hat zwar nicht durchgängig brilliert, war aber doch eine gute Adresse für ein leckeres italienisches Abendessen, bei dem die Pizza nicht wirklich vermisst wurde. Und wo es Berti Vogts und den Gladbacher Borussen schmeckt, geht auch ein „Roter Teufel“ aus der Pfalz nicht unzufrieden nach Hause. Die Preise für das Gebotene sind hier gerade noch zumutbar. Der Service nur bedingt. Trotzdem oder gerade deswegen: ein lässiger Laden.
Auf dem Rückweg von unserem Sommerurlaub in Nordholland machten wir für eine Nacht Station in Mönchengladbach. Wir bezogen ein kleines, modern eingerichtetes Apartment in der Fliethstraße, einer südlich des Zentrums verlaufenden Hauptverkehrsader. Von hier aus war es nur ein kleiner Spaziergang in das von Domenico Sepe (und seinem Team) seit 1991 betriebene Ristorante „Michelangelo“.
Mit einem kurzen Anruf hatte ich uns zuvor einen Tisch gesichert. Die auf der Homepage abrufbare Speisenkarte las sich äußerst appetitanregend. Eine feine, mit Bedacht zusammengetragene Auswahl... mehr lesen
Restaurant Michelangelo
Restaurant Michelangelo€-€€€Restaurant, Biergarten02161208583Lüpertzender Str. 133, 41061 Mönchengladbach
4.0 stars -
"Gladbacher Italo-Institution, in der Gutes seinen hohen, aber (noch) nachvollziehbaren Preis hat" GourmägglerAuf dem Rückweg von unserem Sommerurlaub in Nordholland machten wir für eine Nacht Station in Mönchengladbach. Wir bezogen ein kleines, modern eingerichtetes Apartment in der Fliethstraße, einer südlich des Zentrums verlaufenden Hauptverkehrsader. Von hier aus war es nur ein kleiner Spaziergang in das von Domenico Sepe (und seinem Team) seit 1991 betriebene Ristorante „Michelangelo“.
Mit einem kurzen Anruf hatte ich uns zuvor einen Tisch gesichert. Die auf der Homepage abrufbare Speisenkarte las sich äußerst appetitanregend. Eine feine, mit Bedacht zusammengetragene Auswahl
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Einen ganz besonderen Reiz übt dabei seit jeher die Gegend südlich des unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegenen Örtchens Notweiler auf mich aus. Von hier aus lassen sich auf einer empfehlenswerten Rundwanderung gleich vier imposante Burgruinen erwandern. Drei davon liegen auf elsässischem Terrain, also in den Nordvogesen.
Tolle Ausblicke, wie z.B. von der hoch über Nothweiler thronenden Ruine Wegelnburg aus, sind garantiert und auch der Felsenweg hinunter zur mittlerweile leider touristisch überstrapazierten Felsenburg „Chateau Fleckenstein“ bietet mit seinen bizarren Sandsteinformationen landschaftliche Highlights. Auch schön, dass man sich nach einem Großteil der Strecke im beliebten Ausflugslokal „Gimbelhof“ stärken kann.
Mitte August machte ich zusammen mit einem befreundeten Arbeitskollegen die rund 9 Kilometer lange Burgentour an der Grenze zwischen der Pfalz und dem Elsass. Für meinen Kollegen war es das erste Mal, dass er hier unterwegs war. Dementsprechend beeindruckt zeigte er sich von dieser abwechslungsreichen Wanderung.
Nach einem ausgedehnten „Boxenstopp“ im „Gimbelhof“ wartete am Abend ein reservierter Tisch auf der Veranda des Restaurants MarCook oben auf dem Söller auf uns. Diese auf ca. 300 m Höhe zwischen den Ortschaften Rumbach und Bundenthal gelegene Freifläche beheimatet ein gleichnamiges Fluggelände mit Betriebszulassung für Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Segelflugzeuge.
Dieses kulinarische Juwel ist nicht ganz leicht zu finden, aber von Nothweiler aus tatsächlich am besten zu erreichen. Mitten in der Natur also befindet sich das komplett mit dunklem Holz verkleidete, ehemalige Clubhaus des Flugsportvereins Bundenthal-Rumbach e.V., in dem sich das Ehepaar Burkhart 2015 den Traum vom eigenen Restaurant erfüllte.
Wer es bis hierhin „geschafft“ hat, denn erwartet schon beim Zuschlagen der Wagentür das eigentliche Geheimnis dieses idyllischen Fleckens: Entschleunigung! Doch um diesen paradiesischen Zustand auf dem Söller wissen scheinbar nicht nur Einheimische, was eine Reservierung obligatorisch macht. Auch an diesem Abend waren die wenigen Tische auf der Burkhart’schen Veranda schnell komplett besetzt. Es herrschte dennoch eine angenehm lauschige Atmosphäre, in die wir gerne eintauchten.
Wir wurden von der gut gelaunten Hausherrin, Frau Burkhart, freundlich begrüßt und an einem wohlbeschirmten Terrassentisch platziert. Später kam auch noch ihr Mann bei uns vorbei und wir plauderten ein wenig mit ihm. Sympathische Wirtsleute, diese Burkharts. Echte Überzeugungstäter, die ihre „Berufung“ mit viel Freude, Herzblut und Liebe zum Detail ausüben.
Beim Gang zu den Nassräumen durchquerte ich den von Flugzeugmodellen und Fliegerfotos dekorierten Gastraum, der mit einem alten Kachelofen und jeder Menge Naturholz (Mobiliar, Decke, Balken, etc.) auf sich aufmerksam machte.
Alles wirkte sauber und gepflegt. Der ehemaligen Nutzung des Gebäudes als Vereinsheim für Sportflieger trug man auf angemessene Art und Weise Rechnung.
Bereits bei unserer Ankunft wurden wir auf die an der Fassade hängende Schiefertafel mit den Empfehlungen aufmerksam.
Von gegrilltem Oktopus, frischem Schwertfisch, Lachs auf Buchenholz, Meeresfrüchtesalat und Thunfischtatar mit Avocado war da die Rede. Mein bis dahin ahnungsloser Kollege, der hier oben auf dem Söller eine zünftige Pfälzerwaldhütte vermutet hatte, rieb sich verdutzt die Augen. Solch eine maritim-mediterrane Auswahl hätte er hier nie und nimmer erwartet.
Man reichte uns die Karten mit dem kleinen, fein zusammengestellten Standardprogramm. Ein halbes Dutzend Vorspeisen (griechischer Salat, gratinierter Ziegen- bzw. Schafskäse, Antipastiteller und Thunfischtatar) sowie viermal Fleisch und viermal Fisch waren darin als Hauptgerichte vermerkt. Die Entscheidung fiel uns schwer, klang doch ein Gericht verlockender als das andere.
Frau Burkhart ließ uns genug Zeit zum Überlegen und kümmerte sich zuerst um unseren Durst, den wir mit einem Hefeweizen (0,5l für 6,20 Euro) und einer kleinen Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,5l für 4,50 Euro) zu stillen gedachten.
Eine gut gekühlte Flasche vom 2023er Weißburgunder „Calcit“ (32,80 Euro) des Birkweiler Top-Weinguts Gies-Düppel sollte dem BBQ-Abend auf der Sommerterrasse mehr als gerecht werden. Gute Kollegen trinken schließlich auch gerne mal einen guten Tropfen zusammen. Die Chefin steckte ihn in eine Kühlmanschette, die eine perfekte Trinktemperatur garantierte.
Kurzzeitig spielten wir mit dem Sharing-Gedanken, denn das für zwei Personen ausgerichtete Karree vom Weidelamm und die ebenfalls für zwei hungrige Wanderer konzipierte Iberico Platte mit gegrilltem Filet, Kotelett und Salsiccia versprachen exquisiten Fleischgenuss.
Schließlich gingen wir dann aber doch getrennte Wege, da mich die Erinnerung an den überragenden Meeresfrüchtesalat (24,50 Euro) und das nicht minder geniale Thunfischsteak vom Holzkohlegrill (44 Euro) vom ersten Besuch einholte und mich buchstäblich zur kulinarischen Wiederholungstat zwang. Mein Kollege wagte sich derweil an das 350 Gramm schwere Ribeye-Steak (43,50 Euro), das einen gegrillten Gemüsespieß, Rosmarinkartoffeln und hausgemachten Kräuterbutter zu seinen Begleitern zählte.
Denn auch in Sachen Fleischgenuss kann man dem gelernten Fensterbauer, Küchenchef und Grillmeister Markus Burkhart blind vertrauen. Hier ist wahrlich kein BBQ-Amateur, sondern ein waschechter „Rosteopath“ der guten alten Holzkohle am Werk. Ein mit dem Verständnis für die richtige Hitze gesegneter Brutzelprofi, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass er gutes Essen zu schätzen weiß und dem man die Zubereitung eines solchen sofort zutraut.
Jener freundliche Fleisch- und Fischgenosse fragte mich, ob er mir als kleines Add-On das Thunfischsteak mit Rindercarpaccio unterfüttern dürfe, was „selbstverständlich aufs Haus gehe“. Tja, was sollte ich sagen? Wer surft, der turft auch gerne. Und so nahm ich dieses großzügige Angebot dankend an.
Dann harrten wir in freundschaftlich-kollegialer Verbundenheit bei sehr gutem Wein und noch besseren Tischgesprächen der Leckereien, die nach angenehmer Wartezeit folgen sollten. Den Auftakt machte mein Meeresfrüchtesalat, der mit einer respektablen Menge frischer, qualitativ hochwertiger Weich- und Krustentiere für Aufsehen sorgte.
Perfekt im Biss und puristisch in der Anrichtung war das ein maritimer Leckerbissen auf ganz hohem Niveau. Hervorragend – mal wieder – der Pulpo, dessen zarte, aber dennoch festfleischig-elastische Konsistenz die Grillkompetenz von Meister Burkhart eindrucksvoll unterstrich.
Aber auch die Sepiastücke und die Black Tiger Garnelen zeugten von hervorragender Qualität und fachmännischer Garung.
Zusammen mit der leichten Zitronenfrische, der aromatischen Pfütze Olivenöl, dem jodig-würzigen Algensalat und dem knackigen Blattbouquet ergab das einen perfekt marinierten, von angenehmer Säure geprägten Meeresteller der allerbesten Sorte. Auch mein Kollege, den ich selbstverständlich davon kosten ließ, zeigte sich von der Qualität dieses kulinarischen Kurzurlaubs ans Mittelmeer begeistert. Der alte Hafen von Marseille lag kurzzeitig auf einer Hochebene inmitten des Pfälzerwaldes. Das gibt’s doch nicht, das kann nicht sein! Aber wenn ich es doch sag…
Nach einer Weile durften wir beide endlich zu Messer und Gabel greifen. Dass es im MarCook manchmal etwas dauern kann, bringt ein ausgelasteter „Zwei-Mann“-Betrieb eben mit sich. Wir hatten zwar keine Eile, aber nach dem Wandern ordentlich Hunger und so war die Freude groß, als sich unsere Hauptspeisen im Anflug befanden.
Das stattliche Ribeye-Steak des Kollegen kam mit betörendem Grilldunst im Gefolge und teilte sich mit einem leicht „gebrandmarkten“ Gemüsespieß den Teller. Die lediglich mit etwas Meersalz verfeinerten, knusprig gegrillten Rosmarinkartoffeln wurden in einer kleinen Tonschale geliefert.
Auch unsere beiden, mit schmackhaftem Essig-Öl-Dressing angemachten Beilagensalate waren auf Extratellern angerichtet.
Während sich mein Gegenüber seinen ultrasaftigen, exakt im gewünschten Gargrad vom Grill geholten Fleischquader aber sowas von gut schmecken ließ,
widmete ich mich dem nur kurz angegrillten (nicht mal „mi-cuit“…) und deshalb im Inneren noch rohen Center Cut vom Yellow Fin Tuna. Unter seiner schwarzen Sesamhülle lauerte saftig-rotes Rohfischvergnügen in geradezu bestechender Sashimi-Qualität.
Auch der darunter ausgebreitete Carpaccio-Teppich bereitete dem Gaumen große Freude. Er stellte sich hauchzart in den Dienst des Prachtfischs, indem er förmlich auf der Zunge zerging und das feine, leicht jodige Aroma des Protagonisten um ein paar herzhafte Nuancen erweiterte.
Den Rest erledigten die vom Holzkohlegrill erzeugten Röstaromen, die in Zusammenspiel mit dem nussigen Sesam und etwas Salz und Pfeffer (in genau der richtigen Dosierung) für ein vollmundiges Mundgefühl sorgten. Da war der Gaumenorgasmus quasi vorprogrammiert.
Oder weniger affektiv formuliert: ganz großes Meereskino, das den nicht gerade niedrigen Preis locker rechtfertigte. Die Kombination aus feinster Flossenware und kompetentem Grillhandwerk ging voll auf, was zu einem der besten Fischteller, die ich vergangenen Jahr genießen durfte, führte.
Ähnlich euphorisch klang auch mein Partner in Dine, der sein fein marmoriertes Entrecôte in vollen Zügen genoss.
Vielleicht wäre dazu ein leicht gekühlter Portugieser Rotwein „S“ vom Stiftsweingut Meyer aus Gleiszellen die bessere Begleitung gewesen. Aber auch der Weißburgunder aus Birkweiler konnte als respektabler Sommerwein zum BBQ überzeugen.
Die tiefstehende Abendsonne ließ die Veranda des MarCook erstrahlen.
Die Sitzfleisch beweisende Stammklientel hielt noch aus, während wir uns um rund 160 Euro erleichtert – nur Barzahlung ist hier oben möglich (!) – auf den Heimweg in flachere Gefilde (= Rheinebene) machten. Mein rechtsrheinischer Kollege musste schließlich noch ins geliebte „Badnerland“ zurück…
Wir waren uns beide einig, dass es wohl kaum einen besseren Ort für ein genussvolles Barbecue nach dem Wandern hätte geben können. Wer einmal in dieser schönen Gegend weilt und einfach für ein paar Stunden den „Stecker“ ziehen möchte, ist bei den Burkharts auf dem Söller jedenfalls sehr gut aufgehoben.
Man wird freundlich und zuvorkommend bedient und die Qualität der von Meisterhand gegrillten Fisch- und Fleischpreziosen ist nach wie vor phänomenal. Dass es mit dem Essen manchmal etwas länger dauern kann, werte ich wohlwollend als Teil des Entschleunigungskonzepts. Schade nur, dass diese „Praxis“ für fachmännisch angewandte „Rosteopathie“ etwas weit weg „vom Schuss“ liegt. Oder wie die einheimischen Stammgäste sagen würden: Gott sei Dank…